Einrichtung

 

Ein Lichtstrahl fällt in einen Wohnraum und trifft auf einen Schrank. Er fällt durch ein in die Rückwand gebohrtes Loch und tritt durch ein anderes vorn wieder aus. Auf diese Weise durchquert er mehrere im Raum stehende Möbelstücke. Wie klobige Perlen auf einer immateriellen Schnur reihen sich die Möbel auf dem Lichtstrahl auf. Das sich ausbreitende Licht wird an jedem Loch gefasst, gebündelt und immer schwächer werdend auf einen Punkt hin gelenkt. Ein Brennpunkt. Die Möbel sind optische Instrumente, Trichter, Vorrichtungen der Bilderzeugung. Sind es die Möbel, die den Strahl ausrichten, oder ist es der Strahl, der die Möbel im Raum einrichtet?

 

"Einrichtung" ist eine Geste des gestaltenden Willens und kommt aus dem Bedürfnis, im Diffusen einen Halt schaffen und jedem Ding seinen Platz geben zu wollen. Das Bild erscheint nur in genau dieser einen Konstellation. Das geringste Verrücken der Möbel würde den Lichtstrahl unterbrechen. Jede andere Möglichkeit, die Möbel einzurichten, wäre nicht die richtige. Das Bild ist so gemeint, wie es sich zeigt.

 

"Einrichtung" schafft eine Ordnung und einen Ort für die Dinge. Dem Betrachter aber ist diese präzise und fragile Ordnung der Dinge fremd. Sie kommt von außen und schließt ihn aus, denn das ordnende Prinzip ist unabhängig ist von seinen eigenen Erklärungs- und Ordnungsstrategien. Der Lichtstrahl als Bild eines klaren aber fremden Willens.

 

"Einrichtung - Müllerstraße 39" wurde in einer Privatwohnung realisiert und konnte dort besichtigt werden. Im Unterschied zu einer früheren Version der Arbeit, wo die Möbel allein schon durch die Kunstklammer des Ausstellungsraumes zu Kunstobjekten wurden, stellen sie in der Wohnung zunächst eine alltägliche Situation dar und erhalten ihre spezifische bildnerische Funktion und Bedeutung erst durch den Bild stiftenden Eingriff des Lichtstrahls.

 

"Einrichtung" ist ein mentales Bild, das für eine bestimmte Zeit an einem bestimmten Ort real wird. Die einzelnen Möbel stammen aus verschiedenen Wohnungen und nehmen nach Ende der Ausstellung ihren angestammten Platz und ihre ursprüngliche Funktion wieder ein. Dann löst sich das reale Bild in seine alltäglichen Bestandteile auf. Und doch ist nichts wie zuvor. Das mentale Bild ist nun plastischer, ist Erinnerung statt Vorstellung. Und der Schrank, der nun wieder bloß Schrank ist, weist mit den beiden Löcher darauf hin, dass er über seine Existenz als Gebrauchsgegenstand hinaus eben auch Teil eines möglichen Bildes ist. Dieses kann jederzeit neu entstehen.