Gespräche von Montbéliard

Die Werkzeuge: Gesten und Maß, und die mechanische Musik der Erbsen

 

Neben meiner Ausstellung im Centre d’Art bespiele ich auch das Musée d’Art et d‘Histoire, in dem ich die Sammlungen anders präsentiere. Ich wähle einige Vitrinen aus und organisiere die Zusammenstellung der Objekte neu, ersetze verschiedene historische Gegenstände durch andere, neue, gefundene, gekaufte oder selbstgemachte. Auf diese Weise bringe ich die gewohnte Lektüre einer musealen Präsentation durcheinander und schlage eine andere Lektüre vor, die eher auf Vorstellungen und Vermutungen setzt als auf Klassifizierungen und Erklärungen. Was Herkunft und Status angeht, sind die Objekte sehr unterschiedlich. Sie gehen formale und semantische Beziehungen ein und knüpfen so Gespräche, die um Themen kreisen, von denen man nicht erwarten würde, dass sie in den Vitrinen eines historischen Museums behandelt werden. Spielsachen aus dem 18. und 19. Jahrhundert etwa führen ein Gespräch mit zerbrochenen, wieder zusammengeklebten Nüssen oder einem ab- und wieder aufgerollten Schnurknäuel. Es geht um nutzlose und fröhliche Arbeit, um die Tätigkeit als solche, deren einziges Ziel darin besteht, getan zu werden. In anderen Vitrinen reden die historischen Gegenstände mit ihren „Gästen“ über Beziehung, über Gleichgewicht, Spiegelung und Symmetrie, oder sie diskutieren über das richtige Maß, über Raum und Zeit, über erdachte und plastische Handlungen, über Spuren des Alltags oder über die mechanische Musik der Erbsen. Der Betrachter ist eingeladen, diesen flüsternd vorgetragenen Gesprächen zu lauschen, genau zuzuhören, ein bisschen Detektiv zu spielen und sich überraschen zu lassen.

 

 

GESPRÄCHE VON MONTBÉLIARD – DIE WERKZEUGE: GESTEN UND MASS / UND DIE MECHANISCHE MUSIK DER ERBSEN Musée d’Art et d’Histoire, Hôtel Beurnier-Rossel, Montbéliard, 2007 PLASTISCHE AUSDÜNSTUNGEN – Gießgefäße aus Bronze (16. Jh.), Knetmasse, Strohhalm